DerEinzige

gedanken zur illusorischen realität des einzigen und seines eigenthums ...
... Ausgabe 198 ... 12. Jhrg.

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rubrik: licht sprache

DerEinzige & traumfahne.de

zeitschrift zum selbstausdrucken im eigenverlag vom 24. 11. 2007 | gesamtausgaben: 198

spiegeltisch II

24. November 2007 | ausgabe drucken     | email mail facebook f***book twit tw | leserbrief schreiben    

erster teil meiner überlegungen

dank einer weisen frau habe ich mehr informationen zu meinen gedanken über den buddhistischen altar bekommen:

tibetische umschreibung:

Das Tibetische kennt als “offering-table”

  • mchod khri (tschö tri) “eigentlich khri: chair, throne”
  • mchod stegs (tschö tek´) “stegs: stand, board, table, stool”

Mögliche Erklärung: die Tibeter pflegen auf dem Boden zu sitzen, weshalb sie nicht deutlich Stuhl und Tisch unterscheiden.

Man beachte: mchod heisst mehr als Dharma ; Du kannst z.B. mchod als offering allgemein benutzen:
rol mo mchod pa offering of music..

Kurze Etymologie:

Diese Entlehnung des tibetischen mchod für Ritualkonzepte kreiert eine Bedeutungserweiterung/-überschneidung zur Versprachlichung indischer buddhistischer Konzepte.
mchod ist als eine Art Lehnkonzept, bzw. Übersetzung des Wortes “Dharma” (skr. Gesetz, Ordnung, Lebenswandel, später Lehre zu verstehen: das Konzept der Lehre (im Sinne von Texten, Belehrungen) wurde für den buddhistischen Kontext adaptiert- (die Brahmanen übten lange vor Erscheinen des Buddha ihren Brahmanen-Dharma aus, auch ein Kastenloser praktizierte seinen Shudra-Dharma; d.h. also den klar definierten Platz plus der begrenzten Perspektive, Aufstiegsmöglichkeit in diesem Leben)und wir wissen ja: dort wurde auch den lieben langen Tag geopfert…)
Kurz und gut:
Das Kompositum mchod khri deute ich als Neubildung (entstanden im kulturellen Austausch mit den jesuitischen Mönchen), in dem Sinne, als es kein Konzept für einen tischähnlichen Gebrauchsgegenstand Altar im tibetischen Haushalt/Kloster gibt. Jäschke (Jesuit in Tibet) sagt in seinem Wörterbuch von 1881- das bei der Bildung die Jüdische Vorstellung von Altar im Vordergrund stand.
Dies erklärt, warum tibetische Lamas selten diese Begrifflichkeit verwenden. Das Wort entstand in einem anderen Frame als dem buddhistischen.

unterschiedliche beurteilung der semantik:

wie immer wenn verschiedene menschen etwas interpretieren, kommen unterschiedliche deutungen heraus. wobei ich hinzufügen sollte, dass ich eher als vulgärsemantiker zu bezeichnen wäre ;)

meine quelle schreibt:

Trotzdem: ein Plädoyer für die Beibehaltung von “Altar” in unserem buddhistischen Kontext.
Altar ist ein Konzept, das als an sich “leeres” Gefäss in diversen Religionen fungieren kann. Über Jahrtausende hinweg haben Menschen dieses belebt: sei es auf brutale Weise mit blutigen Mensch- und Tieropfern damaliger Zeiten bis heute oder in entgegengesetzer Weise durch tiefe Hingabe und Spiegelung der eigenen Fähigkeiten- als Ausdruck tiefer Liebe zur Welt.
Das Wort Altar gehört ebenso wenig dem Christen, wie dem Buddhisten und wir sollten nicht päpstlicher als der Papst sein. Es passt laut obiger Beschreibung haargenau auf unsere Meditations”bühnen” – teilen wir es also grosszügig mit den anderen Religionen und verzichten wir auf Neuschöpfungen wie “Tibetischer Opferstuhl” und dergleichen :)

womit sie sicher vollkommen recht hat … einerseits …

vom standpunkt eines streng christlich erzogenen *neubuddhisten*, neige ich eher (aus historischen, wie aus persönlichen gründen) zu einer abgrenzung vom wort altar im westlichen sinne, da er auch, in einer sehr dualistischen weise, als *biefkasten* zu gott verstanden wird; und natürlich auch weil ich ein furchtbarer *griffelspitzer* bin :D

da mir die bedeutung die hinter dem wort steckt nun klarer geworden ist, stimme ich (mit innerlichem schaudern und einem breiten grinsen) zu, dass es höchstwahrscheinlich keiner allgemeinen neubewertung bedarf.

*wenn du dich vor deinem spiegelbild verneigst, verneigt sich dein spiegelbild vor dir* [nichiren]

altar

übrigens sehr spannend:

autor: jeff brett, verfasst am 24. 11. 2007
permalink: http://dereinzige.de/2007/11/24/spiegeltisch-ii/
short url: http://dereinzige.de/350

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